Emirates Business Class, Malta nach Larnaka: Ich habe das Upgrade nur zum Testen genommen – und bin jetzt für den Rest versaut
Keine Schiebetür für die Privatsphäre in dieser 777 Business-Kabine – und bei einem kurzen 2,5-Stunden-Hüpfer war mir das auch völlig schnuppe. Der Sitz ist top.
Emirates Business, Malta nach Larnaka:
Ich habe das Upgrade nur zum Testen genommen – und bin jetzt für den Rest versaut
„Keine Oneworld-Karte, keine Privatsphäre-Tür, ein Bus zum Flieger – und trotzdem einer der geschliffensten und am besten durchgezogenen Flüge des ganzen Jahres.“
Ich weiß, ich weiß – Emirates gehört absolut nicht zu Oneworld, und das hier ist eigentlich eine ziemlich Oneworld-fokussierte Ecke des Internets. Aber hört mir kurz zu. Emirates hat enge Codeshare-Deals mit Oneworld-Größen wie Japan Airlines, und das Skywards-Programm ist eine verdammt ernstzunehmende Meilenwährung. Für einen echten Punktesammler ist die Airline also längst nicht so tabu, wie es der offizielle Allianz-Stammbaum vermuten lässt. Und nach diesem Flug bin ich heilfroh, dass ich über den Tellerrand geschaut habe.
Die Ausgangslage: Ein kurzer Businesstrip zwischen Larnaka und Malta in der Emirates 777-300. Auf dem Hinweg saß ich in der Premium Economy – und die war für einen zweieinhalbstündigen Hüpfer schon echt verdammt gut. Auf dem Rückweg habe ich dann spontan ein Upgrade in die Business Class geschossen, einfach um es endlich mal selbst zu testen. Leute, ich bin absolut geflasht und ärgere mich im Nachhinein über jede frühere Version meiner selbst, die das nicht schon viel früher getan hat.
Erst mal das unglamouröse Pflichtprogramm: Mit dem Bus zur 777
Malta hat keine Fluggastbrücken, du steigst also ganz klassisch per Bus in eine fette 777 ein – während die halbe Economy-Kabine an dir vorbeimarschiert. Wer bitteschön ist davon Fan? :)
Bringen wir den lustigen Teil direkt hinter uns. Malta hat keine Fluggastbrücken. Das bedeutet: Du steigst in eine riesige Großraum-777 per Bus und zu Fuß über das Vorfeld ein. Die komplette Economy-Klasse trottet an dir vorbei, während du so tust, als würdest du völlig selbstverständlich nach ganz vorne gehören. Es ist herrlich unglamourös und ich habe jede Sekunde davon gefeiert. :)
Premium Economy auf dem Hinweg, das Upgrade auf dem Heimweg
Ich muss der Premium Economy ein echtes Lob aussprechen, denn sie hat es sich verdient: Für ein so kurzes Segment war sie super bequem, der Service top und eigentlich mehr als genug. Genau das macht das Ganze für den Rückweg aber so gefährlich – denn sobald du erst einmal in diesem Business-Sitz Platz genommen hast, verschiebt sich das mathematische Gefüge in deinem Kopf klammheimlich für immer.
Der Sitz, das heiße Tuch, der Champagner
Das hier ist die klassische 777-Kabine, es gibt bei Emirates hier also standardmäßig keine Schiebetür für die Suite – und bei einem Flug dieser Länge ist das auch völlig schnuppe. Der Sitz ist herrlich breit, extrem plüschig und sofort bequem. Es beginnt genau so, wie ein guter Flug beginnen muss: Mit einem heißen Tuch direkt nach dem Einsteigen (und noch mal vor der Landung) und einem anständigen Glas Champagner, noch bevor die Türen überhaupt verriegelt sind.
Das heiße Tuch – beim Boarding und kurz vor der Landung. Eine vermeintliche Kleinigkeit, aber perfekt umgesetzt.
Echter Veuve Clicquot als Welcome-Drink. Auf einem regionalen 2,5-Stunden-Hüpfer. Ja, ungelogen.
Liebe zum Detail inklusive Blume – und diese unverkennbaren Emirates-Uniformen gehören nach wie vor zu den elegantesten Erscheinungen am Himmel.
Die kleine Mini-Bar direkt am Sitz – Wasser und Knabbereien den ganzen Flug über in Griffweite.
Eine Crew, die ihren Wein tatsächlich kennt
Was den Flug von „wirklich nett“ zu „verdammt beeindruckend“ angehoben hat, war ohne Zweifel die Crew. Die Flugbegleiter waren herzlich, extrem aufgeweckt und – das Detail hat mich absolut gekillt – hatten richtig Ahnung von den Weinen, die sie einschenkten. Keine runtergeleierten Werbephrasen, sondern echtes Fachwissen. Sie konnten dir genau erklären, was du da im Glas hast und warum es perfekt mit dem Gericht auf deinem Teller harmoniert. Das erlebt man im Flieger deutlich seltener, als man denkt, und es macht aus einem schlichten Essen über den Wolken ein echtes Event.
Das Essen – absolut hervorragend für eine so kurze Strecke, abgerundet durch eine Weinbegleitung, zu der die Crew dir echtes Fachwissen liefert.
Und – weil sich das in letzter Zeit quer durch alle meine Berichte wie ein roter Faden zieht – Emirates hat seinen Leuten in diesem Jahr einen fetten Bonus gezahlt: glatte zwanzig Wochengehälter extra, basierend auf den eigenen Rekordgewinnen. Qatar Airways, die ebenfalls historische Gewinne einfahren und ihre Crew mit komplett leeren Händen dastehen lassen: Ihr sorgt aktuell für *so* miserable Schlagzeilen für euch selbst. 😃
ICE und eine App, die einfach verdammt noch mal funktioniert
ICE – für mein Geld nach wie vor das mit Abstand beste Bordunterhaltungssystem am Himmel. Das Beste vom Besten.
Das ICE-Entertainment-System bleibt einfach das Maß aller Dinge – riesig, pfeilschnell und dem Rest der gesamten Branche um Lichtjahre voraus. Der heimliche Held war für mich aber die Emirates-App: Absolut flüssig, intuitiv, alles klappte ohne den geringsten Schluckauf – Check-in, Bordkarte, Upgrade, einfach alles. Wenn du das mit der BA-App vergleichst oder mit dem Tool von Qatar (das zwar okay ist, aber vor Bugs strotzt und unendlich langsam lädt), merkst du erst mal, wie viel ein modernes Reiseerlebnis wert ist, dessen Software deine Lebenszeit respektiert.
Es ist fast schon ein bisschen ironisch, dass es erst eine Golf-Airline braucht, die nicht mal in meiner Allianz ist, um mich wieder daran zu erinnern, wie sich „völlig mühelos“ anfühlt. Aber genau so sieht es aus.
Das Fazit: Kein Oneworld, aber jeden Cent wert
Auf einem 2,5-stündigen Regional-Hüpfer serviert Emirates echten Veuve Clicquot, schickt eine extrem weinkundige Crew an deinen Platz, serviert ein exzellentes Essen, bietet das beste IFE der gesamten Branche und garniert das Ganze mit einem Boarding über ein Bus-Gate, das ich so schnell nicht vergessen werde – und das alles gesteuert über eine App, die einfach läuft. Ich habe das Upgrade aus einer reinen Laune heraus gebucht, und jetzt fühlt sich die Premium Economy, mit der ich vorher vollkommen glücklich gewesen wäre, wie ein fauler Kompromiss an.
Nein, du sammelst hier keine Oneworld-Statuspunkte. Aber dank des JAL-Codeshares und den flexiblen Skywards-Prämienflügen ist das Ganze für einen echten Meilensammler alles andere als irrelevant. Und als reines Flugerlebnis ist es schlicht grandios. Emirates macht im Stillen verdammt viele Dinge goldrichtig. Einige andere Airlines könnten sich hier eine dicke Scheibe abschneiden – beim Produkt, bei der Software und vor allem dabei, wie man die Mitarbeiter behandelt, die das Produkt am Ende des Tages abliefern.