JAL Suite auf dem A350-1000, London nach Tokio: Die charmanteste Kabine am Himmel
Die Heckkamera des A350-1000. Muss man einfach lieben, oder?
JAL Suite, London nach Tokio:
Die charmanteste Kabine am Himmel
„Die Crew wirkt in den ersten fünf Minuten vielleicht etwas distanziert. Aber dann zieht dich diese unglaubliche Etikette in den Bann – und du willst eigentlich nie wieder mit einer anderen Airline fliegen.“
Ich mache absolut kein Geheimnis daraus: Ich fliege leidenschaftlich gerne mit Japan Airlines. Ein Flug von London nach Tokio in der neuen JAL Suite – der Business Class auf dem A350-1000, den JAL jetzt auf der Route Heathrow–Haneda einsetzt – war für mich also weniger ein harter Testauftrag als vielmehr ein kleiner Akt gepflegter Selbstverwöhnung. Und der Flug hat geliefert, und zwar auf diese ganz feine, dezent zurückhaltende Art, die scheinbar nur JAL fehlerfrei beherrscht.
Vor dem Abflug: Eine kleine Lektion in Lounge-Politik am T3
Der Ausblick aus der Qantas-Lounge am Heathrow T3 – unser Plan B, nachdem uns die Cathay-Lounge (die eigentlich beste im ganzen Terminal) wegen Überfüllung durch die eigenen Abflüge abgewiesen hatte.
Der Morgen begann direkt mit einer kleinen Lehrstunde in Sachen Oneworld-Allianzpolitik. Die Cathay Pacific Lounge im Terminal 3 von Heathrow gilt gemeinhin als das Nonplusultra im Gebäude – und genau deshalb war sie an diesem Tag zum Bersten voll. Da Cathays eigene Flüge anstanden, hat das Personal andere Oneworld-Passagiere kurzerhand weggeschickt. Irgendwo verständlich. Also ging es rüber in die Qantas Lounge, und ehrlich gesagt gab es da absolut nichts zu meckern: Ein herrlich ruhiger Raum, ein perfekter Blick aufs Vorfeld und ein richtig guter Kaffee vor dem eigentlichen Highlight.
Die JAL Suite: Ein Studio-Apartment auf 40.000 Fuß
Sobald du die Suite betrittst, musst du erst mal unwillkürlich grinsen. Das Ding ist einfach riesig. Die Sitze in der Mitte – also das Doppel-Pair in der Mitte der Kabine – sind so gigantisch großzügig bemessen, dass du sie in Manhattan locker für zweitausend Dollar im Monat als Studio-Apartment inserieren könntest, ohne dass jemand auch nur mit der Wimper zuckt.
Die JAL Suite in ihrer vollen Pracht – die mittleren Plätze könnten im echten Leben als New Yorker Apartment durchgehen.
Und der Tisch! Bei den meisten Airlines ist der ausklappbare Tisch eher eine wackelige Notlösung; hier bekommst du eine vollwertige, massive Arbeitsfläche. Groß genug, um gleichzeitig zu arbeiten, zu essen und sich komplett auszubreiten, ohne dieses nervige First-Class-Tetris spielen zu müssen.
Der Tisch – so massiv, dass man sich elf Stunden lang häuslich darauf einrichten kann.
Die Besatzung: Erst formell, dann verfällst du dem Charme
Hier ist der Punkt, den viele bei JAL im ersten Moment komplett missverstehen. In den ersten paar Minuten kann die Crew fast ein wenig steif wirken – extrem formell, zurückhaltend und schwer zu lesen, besonders wenn man das große, fast schon theatralische Entertainment der Golf-Airlines gewohnt ist. Aber gib dem Ganzen einen kurzen Moment. Hinter dieser millimetergenauen Präzision verbirgt sich eine tief verwurzelte, ehrliche Herzlichkeit und eine so feinsinnige Etikette, dass du dich am Ende des Fluges unwillkürlich in die gesamte Kabine verliebt hast. Es ist eine leisere, leisere Form der Gastfreundschaft, und mir ist sie mittlerweile deutlich lieber als fast alles andere am Himmel.
Es fühlt sich in diesem Jahr auch wie eine Kabine an, in der die Mitarbeiter anständig behandelt werden. JAL blickt auf ein extrem erfolgreiches und profitables Jahr zurück – Rekordumsätze und ein zweistelliges Plus beim Reingewinn. Auf die typisch japanische Art wird die Belegschaft über die traditionellen Boni direkt an diesem Erfolg beteiligt. Wenn man das mit der Geschichte vergleicht, die ich gleich über Qatars Rekordgewinne und die komplett leeren Hände der Crew erzählen werde, ist das ein Unterschied, den man einfach bemerken muss.
Der Bildschirm und das Essen

Das IFE – die Auswahl ist sehr asiatisch geprägt und nach wie vor nicht die größte Mediathek der Welt, aber spürbar besser, seit wir im Dezember 2025 mit deren 787-9 ab Frankfurt geflogen sind.
Das Bordunterhaltungssystem ist spürbar für den asiatischen Markt optimiert und bietet nach wie vor nicht die tiefste Mediathek über den Wolken. Aber man sieht, dass sich was tut: Als wir im Dezember 2025 mit der 787-9 von JAL ab Frankfurt unterwegs waren, war die Auswahl noch deutlich dünner. Da wurde sichtlich Hand angelegt.
Das Washoku-Menü – im Grunde schon allein ein Grund, diesen Flug zu buchen.
Das Essen ist allerdings der wahre Grund, warum du diesen Flug antrittst. Das Washoku – das traditionelle japanische Menü – ist handwerklich perfekt, saisonal abgestimmt und im Stillen absolut spektakulär. Die Art von Essen, bei der du dich im Sitz aufrichtest und genießt, anstatt einfach nur Kalorien reinzuschaufeln.
Der Käsegang – mein heiliges Abendritual: Eine feine Platte, einer ihrer fantastischen Rotweine, ein Zeichentrickfilm, danach tiefster Schlaf. Unverhandelbar.
Und dann mein absolut unverhandelbares Ritual, das ich vor jedem Hardcore-Meilensammler verteidigen werde: Der Käsegang – die „Käsesteuer“, wie ich es nenne. Immer kurz vor dem Schlafen, immer mit einem der wirklich hervorragenden Rotweine von JAL, immer während ich mir irgendeinen Zeichentrickfilm reinziehe. Danach schlafe ich wie ein Stein. Absolut unprätentiös. Einfach perfekt.
JAL muss nicht laut herumschreien. Sie machen einfach alles richtig und vertrauen darauf, dass du es merkst.
Das Fazit: Im Stillen die absolute Nummer Eins
Die neue JAL Suite auf dem A350-1000 ist nicht die lauteste oder protzigste Business Class am Himmel, und genau das macht ihren Reiz aus. Das physische Produkt ist riesig und extrem clever durchdacht, das Washoku-Menü ein handfester Grund, genau diese Airline zu buchen, und der Service – sobald du die ersten fünf formellen Minuten hinter dir hast – gehört zum Charmantesten, was du in der Luftfahrt erleben kannst.
Während Qatar auf das ganz große Theater setzt, gewinnt JAL das Spiel durch Manieren, vornehme Zurückhaltung und absolute Konstanz – und mit einer Crew, die in diesem Jahr auch noch fair am Erfolg der Airline beteiligt wurde. Ich liebe dieses Produkt, und ich werde es auch weiterhin offen sagen. London nach Tokio in der JAL Suite ist aktuell schlicht eine der großartigsten Arten, diesen Planeten zu überqueren.